Laudatio


Ausstellungseröffnung von Monika Schwenk

Rathausgalerie Balingen, 8.10.2008

 

Jegliches hat seine Zeit- und doch

Sind Sie auch erschrocken? Schon wieder Herbstzeit.

 

Herbstzeit trifft Kunst:

Man nehme

Rot Blau und Gelb,

erdfeuchtes Papier,

einen stürmischen Pinsel

und einen Becher Regenwasser

Dabei ist darauf zu achten, dass die Farbflächen in rauschendem Komplementär ausdrucksstark angeordnet werden. In der Herbstsonne

7 Minuten trocknen lassen.

 

Liebe Monika, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

 

Wenn Sie sich hier umschauen, werden sie erkennen, dass eine Künstlerin ausstellt, die nicht mit dem Farb- an- sich- Kontrast geizt. Intuitiv werden die Farben von Karminrot über Ultramarinblau zu Zitronengelb so eingesetzt, dass sie sich zu einer harmonischen Farbpalette formieren und sich in ihrer Leuchtkraft ungehemmt steigern können. Die Farbklänge wirken, als wären sie in einer Lässigkeit vom blauen Herbstwind dorthin geblasen, wo sie sich auf dem Papier wie scheinbar zufällig wieder finden.

 

Winterzeit trifft Kunst,

Man nehme

seinen dicken Wintermantel

Ein romantisches Gässchen oder eine schöne verschneite Landschaft

Vielerlei Blau- und Brauntöne

Und einen Farbtopf Geduld

Bevor die klirrende Kälte das Pinselhaar zerbricht, wird alles mit schnellen Strichen auf ein feuchtes Papier gebracht. Zur Trocknung kurz dem kalten schwäbischen Wind aussetzen.


Monika Schwenk saß immer vor ihrem Motiv und hat sich dieses durch Skizzen zugänglich gemacht. Die Ausarbeitung erfolgte dann vor Ort oder im Atelier. Ihre Aquarelle sind Momentaufnahmen aus Italien, vom Bodensee oder der Schwäbischen Alb. Mit dickem Pinsel legt sie flächige Lasuren und setzt Farbspritzer, die ihre Komposition bereits grob vorgeben. Detaillierte Gegenstände ordnen sich dem ungehemmten Spiel der Farbflächen unter und rhythmisieren die Bildstruktur.

Kleine Collageelemente setzten Akzente oder passen sich an. Der reduzierte Einsatz von Stiften erlaubt poetische Details, die spielerisch Kleinigkeiten einfügen und bereichern.

 

Frühlingszeit trifft Kunst

Man nehme

Aufkeimende Lust zum Malen

Knospen der Sehnsucht nach Farbe

Einen Spross Gespür für Bildordnungen

Und einen Becher Talent

Die Zutaten werden gut verrührt. Dabei ist darauf zu achten, dass alles gleichmäßig zum Aufkeimen kommt und nicht austrocknet.

 

Monika Schwenk begann eher zufällig mit der Aquarellmalerei. In genau beobachteten Stillleben, die den Anspruch eines naturgetreuen Abbilds hatten, erarbeitete sie sich zeichnerisch und malerisch Qualitäten, die ihr heute einen Rückgriff auf ein großes Formenrepertoire ermöglichen.

Ein Abstecher zu Applikationsarbeiten zwang sie, ihre räumlichen Errungenschaften loszulassen und das Abzubildende flächig zu begreifen. Aber erst die Kombination beider, -verknüpft mit einer inneren Sehnsucht nach Farbe, die sie immer wieder zur Aquarellmalerei zurückbrachte- erlaubt ihr in ihrer heutigen Malerei ganz natürlich vom Gegenstand nahtlos zum Gegenstandslosen überzuleiten. Längst überwunden ist der naturalistische Anspruch an Form, Perspektive und Farbe.

Ihr Umgang mit Farbe, der, je länger die Künstlerin sich mit der Malerei beschäftigte, immer befreiter wurde, ist beachtenswert.

Über die Jahre hinweg, die ich den künstlerischen Schaffensprozess von Monika Schwenk verfolgen konnte, war wohl das ihre größte Errungenschaft: dieser selbstverständliche, intuitive, so heiter und locker wirkende Umgang mit der Farbe.

 

Sommerzeit trifft Kunst

Man nehme:

Blühenden Mohn

Duftende Lavendelhänge

Italienische Landschaften

Und eine große Farbpalette

Beim Zusammenmischen sollte beachtet werden, dass sich Formen und Farben nicht gänzlich auflösen. Die Trocknung erfolgt während des Malens.

 

In Monika Schwenks Landschaftsbildern fügen sich Farbflächen mit einer Leichtigkeit zu tiefroten Mohnfeldern, violetten Lavendelhängen, klarblauen Seen oder maisgelben Kornfeldern. Farbflächen, die sich immer ausformulierter zu Gegenständen verdichten, welche scheinbar willkürlich, doch kompositorisch exakt platziert aus dem Farbenmeer auftauchen. Selbst weiße Schneelandschaften zeugen von einer Farb- und Formenvielfalt, die aufzeigen, aus welch innerem Reichtum die Künstlerin schöpfen kann. Doch nicht nur bezogen auf das Motiv ergeben sich die Farben ganz natürlich, sondern auch losgelöst vom Motiv werden Farbflächen eingesetzt, die die Bildkomposition strukturieren, den Betrachter auf verschiedene Bildebenen entlässt und abstrakte Momente in ihm auslöst. Dieses nahtlose Hinübergleiten vom Gegenstand zum Gegenstandslosen schafft Weite in den Aquarellen. Der Betrachter wird zu einem Tanz aufgefordert vom Gegenstand zur Fläche, von gemeinter zur losgelösten Farbfläche, vom Farbkontrast zur Farbintensität. Ich spreche von einer Intensität, die sich spüren lässt. Tauchen Sie ein in das Farb- und Formenspiel des Oktoberbildes und Sie werden augenblicklich diese Kühle eines warmen Herbsttages spüren, die unter ihren Mantel kriecht. Denn jegliches hat seine Zeit und jetzt ist Herbstzeit.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß.

Herzlichen Dank!